Cartagena ist eine der schönsten Hafenstädte Spaniens, und fast jeder Besucher nimmt an, der Hafen sei der Grund dafür, dass die Stadt genau hier liegt. Das stimmt nur zur Hälfte. Cartagena wurde wegen dessen gegründet, was in den Hügeln dahinter lag — Erz, silberhaltiges Erz, in Mengen, die eine Kriegswirtschaft finanzieren konnten. Ohne diesen Berg hätte es die Stadt nicht gegeben, und schon gar nicht an dieser Stelle.
Diese Geschichte reicht bis heute, und nicht nur in die angenehme Richtung. Derselbe Bergbau, der diese Küste reich machte, hat auch eine der größten Umweltakten Spaniens hinterlassen. Wer hier ein Haus sucht, fährt mitten hindurch: über die N-332, vorbei an orangeroten Hügeln voller Schornsteine und an einer Bucht, die keine Bucht mehr ist.
Vierzigtausend Mann, vor zwanzig Jahrhunderten
Im dritten Jahrhundert vor Christus gründeten die Karthager hier Qart Hadasht, das spätere Carthago Nova und heutige Cartagena. Nicht wegen der Aussicht: Der natürliche Hafen lag in Gehweite silberhaltiger Erzlager.
Wie groß das war, wissen wir aus einer antiken Quelle. Der Geograph Strabon gibt wieder, was Polybios über die Silberbergwerke bei Carthago Nova schrieb: Sie lagen etwa zwanzig Stadien von der Stadt entfernt, vierzigtausend Arbeiter waren dort beschäftigt, und sie brachten dem römischen Volk zu seiner Zeit fünfundzwanzigtausend Drachmen am Tag ein. Das ist kein Nebengeschäft. Das ist der Motor eines Imperiums.
Vierzigtausend Menschen unter der Erde, damit eine Stadt über der Erde möglich wurde.
Die Bedingungen entsprachen dem Ausmaß. Diodor beschreibt Bergleute, die Tag und Nacht in den Stollen verbrachten und dort ihre Gesundheit und oft ihr Leben ließen. Der weitaus größte Teil dieser Arbeit wurde von Sklaven geleistet. Auch das gehört zu diesem Erbe, und es ist kein Detail, das in einem Reiseprospekt auftaucht.
Cabezo Rajao: der Berg mit dem Spalt
Der bekannteste Ort dieses frühen Bergbaus liegt an der Grenze zwischen Cartagena und La Unión: der Cabezo Rajao. Der Name bedeutet so viel wie gespaltener Berg, und er ist verdient. An der Oberfläche verlief hier eine Ader galena argentífera — Bleiglanz mit Silberanteil —, die mit der Spitzhacke ausgeräumt wurde. Zurück blieb ein großer Einschnitt quer durch die Kuppe.
Wichtig für das richtige Bild: Es ging nicht um Adern aus reinem Silber. Das Silber steckte im Blei. Es machte die Gegend berühmt, doch nach Tonnage ging es immer um Blei und später auch um Zink und Eisen.
Was heute auf dem Berg zu sehen ist, ist ein geschichtetes Denkmal. Der römische Einschnitt und darauf die Schicht des 19. und 20. Jahrhunderts: Schornsteine, Maschinenhäuser, Kontore, Wäschen und Fördertürme der später hier arbeitenden Gruben. Der Komplex ist als Bien de Interés Cultural in der Kategorie Sitio Histórico geschützt, und dieser Schutz erstreckt sich über das gesamte Gelände einschließlich des benachbarten Cabezo Agudo.
1840: das spanische Kalifornien
Nach der Römerzeit kam der Bergbau weitgehend zum Erliegen. Erst um 1840 begann das zweite Fieber, und es war heftiger als das erste. Innerhalb weniger Jahre wurden in der Sierra Minera mehr als fünfzehnhundert Bergbaukonzessionen beantragt. Die Gegend erhielt den Beinamen, auf den die Überschrift dieses Artikels zurückgreift: das spanische Kalifornien.
Die Zahlen sind beträchtlich: Zwischen 1860 und 1900 stammten rund 24 Prozent der gesamten spanischen Bleiproduktion aus diesem Gebiet, womit es zu den wichtigsten Produzenten weltweit zählte. 1860 löste sich La Unión von Cartagena und wurde eine eigenständige Gemeinde. Auf dem Höhepunkt lebten dort rund 36.000 Menschen — gut das Doppelte von heute.
Diese Menschen kamen von weit her, vor allem aus Almería und dem übrigen Andalusien. Sie brachten ihre Musik mit, und unter Tage veränderte sie ihren Charakter. So entstanden die Flamencostile der Levante: die mineras und cartageneras, wörtlich Bergmannslieder. Ihnen verdankt La Unión sein zweites Leben — das jährliche Festival Cante de las Minas ist international ein Begriff und holt die Region jeden Herbst kurz aus dem Schatten.
Die Sierra Minera in Zahlen
Stand August 2026
Portmán: die Bucht, die verschwand
Und nun die andere Seite der Geschichte. In der Antike war Portmán ein echter Hafen — der römische Name Portus Magnus sagt genug. Bis weit ins 20. Jahrhundert lag hier eine natürliche Bucht mit einem Dorf daran.
Wie wichtig dieser Hafen war, zeigt sich an dem, was am Rand der Bucht im Boden lag. In der Villa Romana Huerto del Paturro, 1969 entdeckt, sind inzwischen etwa zwölf Räume dokumentiert, verteilt auf Terrassen, die durch Treppen miteinander und mit dem Meer verbunden waren. Zutage kamen Mosaike, importierter Marmor und Wandmalereien sowie eine Thermenanlage. Die Villa hatte auch eine Produktionsseite: Salzfisch, garum und Esparto, verschifft über das Meer. Am Ende des dritten Jahrhunderts wurde sie endgültig aufgegeben.
Ab den fünfziger Jahren änderte der Bergbau seinen Charakter. Die unterirdischen Stollen wichen dem großflächigen Tagebau, mit Waschanlagen, die enorme Mengen feinen Abfallmaterials erzeugten. Dieser Abfall ging nicht in ein Absetzbecken. Er ging ins Meer. Zwischen 1957 und 1990 wurden rund sechzig Millionen Tonnen mineralischer Abfall in die Bucht geleitet. Die Bucht füllte sich, die Küstenlinie verschob sich um mehrere hundert Meter, und übrig blieb die orangerote Ebene, die heute dort liegt.
Das größte Unternehmen im Gebiet war Peñarroya, das auf seinem Höhepunkt 1987 für rund vierzig Prozent der spanischen Blei- und zehn Prozent der Zinkproduktion stand. 1991 schlossen die Bergwerke endgültig, wegen Erschöpfung der abbauwürdigen Vorräte und sinkender Metallpreise. Zurück blieb eine Region ohne Arbeit und mit einer Landschaft, die aufzuräumen war.
Wo die Akte heute steht
Die Sanierung der Bucht läuft seit Jahrzehnten und ist noch immer nicht entschieden. Das ist keine abgeschlossene Geschichte, sondern eine laufende Akte — und genau deshalb ist sie für Käufer relevant.
Im Februar 2026 hob das Ministerium für ökologischen Wandel die vorübergehende Aussetzung des Planungsauftrags auf. Seither darf das Planungsbüro am Ausführungsprojekt und an der Umweltverträglichkeitsprüfung weiterarbeiten, ohne strikt an eine zuvor vorgestellte Variante gebunden zu sein, jedoch unter Einarbeitung der Ergebnisse der CEDEX-Untersuchungen. Liegen beide Dokumente vor, folgt eine öffentliche Auslegung, und Stellungnahmen weiterer Behörden und wissenschaftlicher Einrichtungen werden eingeholt.
| Variante | Was sie bedeutet | Worum die Debatte geht |
|---|---|---|
| Teilweise Entnahme | 500.000 bis 1 Million Kubikmeter belastetes Material entfernen, sodass die Küstenlinie rund 200 Meter Richtung Dorf zurückweicht | Das restliche Material (etwa 34 Millionen Kubikmeter) bleibt liegen, abgedeckt mit sauberem Strandsand |
| Vollständige Abdeckung | Das gesamte belastete Material vor Ort abdecken, ohne es zu bewegen | Vermeidet das Lösen von Metallen in der Wassersäule, stößt vor Ort aber auf deutlichen Widerstand |
| Teilweise Baggerung | Wiederherstellung des alten Hafens von Portmán | Die Variante, für die Anwohner, Umweltverbände, die Gemeinde und die Regionalversammlung eintreten |
Wir beziehen in dieser Debatte keine Position. Was wir feststellen: Eine endgültige Entscheidung liegt nicht vor, und solange das so ist, bleibt die Zukunft der Bucht und des Dorfes dahinter offen.
Was das bedeutet, wenn Sie hier kaufen möchten
Nun der Teil, den eine verkaufende Seite selten von sich aus anspricht. Wer die Angebotspreise in La Unión, Portmán und den Dörfern der Sierra Minera mit denen am Mar Menor oder bei Cabo de Palos vergleicht, sieht einen deutlichen Unterschied. Dieser Unterschied hat Gründe, und diese Gründe sind bekannt.
- Bodenqualität. Mehr als ein Jahrhundert Erzaufbereitung hinterlässt Spuren. In Teilen des Gebiets liegen alte Absetzbecken, Halden und Betriebsflächen. Das heißt nicht, dass jedes Grundstück ein Problem ist — es heißt, dass Sie wissen müssen, wo genau das Grundstück liegt und was die kommunalen und regionalen Karten dazu sagen.
- Ramblas und abfließendes Wasser. Bei Starkregen läuft Wasser durch trockene Betten, die quer durch altes Bergbaugelände führen. Das verbindet Hochwasserrisiko mit mitgeführtem Material.
- Planungsrechtliche Unsicherheit. Solange das Sanierungsprojekt der Bucht nicht endgültig ist, steht auch die Zukunft der unmittelbaren Umgebung nicht fest. Umsetzung bedeutet jahrelange Bauarbeiten; Aufschub bedeutet, dass die heutige Lage bleibt.
- Schutzstatus. Rund um einen Sitio Histórico wie den Cabezo Rajao gelten Beschränkungen dafür, was auf und um das Gelände zulässig ist. Für das Kulturerbe ist das gut, wer aber Pläne mit einem Grundstück in der Nähe hat, sollte diese Beschränkungen vorher kennen.
- Infrastruktur und Vermietbarkeit. Dies ist kein Touristenort. Für das Dauerwohnen kann das angenehm sein, für die Mietrendite ist es eine ganz andere Geschichte als am Mar Menor.
Was wir vor einem Gebot in diesem Gebiet standardmäßig prüfen
• Die Adresse auf den offiziellen SNCZI-Hochwasserkarten nachschlagen — sie zeigen grundstücksgenau die zona inundable und die zona de flujo preferente.
• Die nota simple und den Bebauungsplan der Gemeinde nebeneinanderlegen, einschließlich etwaiger Schutzzonen.
• Nachfragen, was über die Bodengeschichte des Grundstücks und der unmittelbaren Umgebung bekannt ist.
• Den Abstand zum Sanierungsgebiet der Bucht ermitteln und prüfen, was eine Umsetzung praktisch an Baustellenverkehr und Arbeiten bedeuten würde.
• Die Gebäudeversicherung durchgehen: Hochwasserschäden fallen in Spanien unter den Consorcio de Compensación de Seguros, aber nur bei korrekter und ausreichender Versicherung.
Das ist kein Grund, diese Gegend abzuschreiben. Es gibt Menschen, die hier sehr bewusst wohnen: nah an Cartagena, nah an Cabo de Palos, mit Raum und mit einer Landschaft, die keiner anderen gleicht. Es ist aber ein Grund, hier Adresse für Adresse statt Ort für Ort zu prüfen und diese Fragen vor dem Gebot zu stellen statt danach.
Zur Preisentwicklung machen wir keine Prognosen. Was wir sehen: In Gebieten mit einer laufenden behördlichen Akte hängt der Unterschied zwischen einem guten und einem schlechten Kauf vor allem daran, vorher zu wissen, was im Gange ist.
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Selbst hinfahren
Dieses Gebiet sollte man mit einem Guide sehen. Einzelne Ruinen sagen wenig; erst die Geschichte drumherum macht sie verständlich. Zudem ist ein Teil des Geländes unsicher oder gesperrt — erkunden Sie alte Schächte oder Halden nicht auf eigene Faust.
Mediterranean Cartagena Tours bietet geführte Wanderungen durch dieses Erbe an. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung sind drei Termine geplant:
Führungen im September 2026
• Freitag, 4. und 25. September — Portmán’s Mining Heritage Tour
• Freitag, 11. September — La Unión’s Mining Far East
15 € pro Person · Dauer etwa 2,5 Stunden · Beginn um 10.00 Uhr · Zahlung am Tag selbst · kein Abholservice, Sie kommen selbst zum Treffpunkt.
Buchung und aktuelle Informationen direkt beim Veranstalter, per WhatsApp unter +34 650 01 73 27 oder per E-Mail an info@mediterraneancartagenatours.com.
Termine und Preise nach Stand August 2026. Fragen Sie beim Veranstalter nach, ob eine Tour stattfindet, bevor Sie losfahren.
Von der Costa Cálida und der südlichen Costa Blanca ist das ein guter Vormittag: Von San Pedro del Pinatar und Los Alcázares fährt man eine halbe bis dreiviertel Stunde, und Cartagena selbst liegt für den Nachmittag direkt daneben.
Wenn Sie schon dort sind
Unmittelbar östlich von Portmán beginnt der Regionalpark Calblanque, der laut der Beschilderung vor Ort zur selben Sierra Minera de Cartagena-La Unión gehört. Dort verläuft am Barranco del Moro ein gepflasterter Weg, dessen Ursprünge bis in die Römerzeit zurückreichen und der vom Bergbau des 19. Jahrhunderts wieder in Gebrauch genommen wurde. Auf dem Monte de las Cenizas steht zudem eine Küstenbatterie, mit einem Tor, das man in dieser Landschaft nicht erwartet.
Das Gebiet auf einen Blick: Cartagena links, La Unión in der Mitte, Portmán an der Küste. Kartenmaterial © OpenStreetMap-Mitwirkende.
Häufige Fragen
Was ist der Cabezo Rajao?
Ging es in der Sierra Minera wirklich um Silber?
Warum ist die Bucht von Portmán verlandet?
Wird die Bucht von Portmán saniert?
Kann man das Bergbauerbe von La Unión besichtigen?
Ist es sinnvoll, in La Unión oder Portmán ein Haus zu kaufen?
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